Für Ihre Gesundheit

kvt Kassenärztliche
Vereinigung Thüringen

Erhöhte Nachfrage der Grippe-Impfung in Zeiten von Corona

Liebe Patientinnen und Patienten,

in den letzten Tagen ist die Frage nach ausreichend Grippe-Impfstoff in den Thüringer Arztpraxen vermehrt durch die Medien gegangen. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hat sich die Nachfrage nach einer Grippeschutzimpfung erhöht. Grund dafür ist, dass sich die Krankheitssymptome von Covid-19 und der Influenza ähneln. Die Grippe-Impfung schützt zwar nicht vor dem Coronavirus, aber es ist sinnvoll, weitere Infektionen der Atemwege – denen durch eine Impfung vorgebeugt werden kann – auch vorzubeugen, solange es keine Impfung gegen Covid-19 gibt.

Wie gut ist Deutschland vorbereitet?

Was die Verfügbarkeit des Impfstoffs betrifft, so sind wir jedoch so gut wie noch nie auf die Saison vorbereitet, wie es auch im MDR Thüringen Journal am 20.10.20 hieß. Im gesamten Land stehen dieses Jahr 26 Millionen Impfdosen zur Verfügung – fast doppelt so viel wie in der vergangenen Saison verimpft wurde.

Wie gut ist Thüringen gerüstet?

Von unseren Mitgliedern, den Thüringer Hausärzten, haben uns ca. 75 % der impfenden Ärztinnen und Ärzte in der Planungsphase für diese Saison eine Rückmeldung zu ihrem Bedarf gegeben, insgesamt waren das über 400.000 Impfstoffdosen. Das zeigt eine sehr gute Planung, auch im Vergleich zu anderen Regionen.

Gibt es Engpässe?

Die Belieferung erfolgt jedes Jahr in Etappen. Die Impfstoffhersteller liefern nicht die gesamte Menge zu einem Zeitpunkt aus. Einen Lieferengpass nach den Kriterien des Robert-Koch-Institutes können wir zum aktuellen Zeitpunkt nicht feststellen.

Jedoch sind durch die höhere Nachfrage in diesem Jahr die ersten Teillieferungen sicher schneller aufgebraucht. Die Versorgung ist also nicht gefährdet, nur die Verteilung zieht sich in die Länge.

Was passiert auf dem Weg von der Bestellung bis in die Praxis?

Da Impfstoffe nicht von heute auf morgen produziert werden können, sondern die Herstellung eines Impfstoffes ein sehr komplizierter, langwieriger Prozess ist, muss der voraussichtliche Bedarf sehr lange vorausgeplant werden. Dies ist insbesondere bei Impfstoffen, welche je nach Saison an die sich verändernden Viren angepasst werden müssen, ein Spiel mit vielen Unbekannten. Damit die Hersteller möglichst bedarfsgerecht produzieren, erfragen wir bereits im Dezember des Vorjahres, also fast ein Jahr bevor der Impfstoff benötigt wird, den voraussichtlichen Bedarf bei unseren Ärztinnen und Ärzten, und melden diesen an das Bundesgesundheitsministerium zur Abstimmung mit den Herstellern, damit diese ihre Produktion entsprechend planen können.

Wo ist der Impfstoff nun geblieben?

Die meisten Ärztinnen und Ärzte melden uns anhand der Impfzahlen des Vorjahres sehr zuverlässig, wie viele Impfstoffe sie voraussichtlich benötigen werden. Bis 31. März bestellen sie dann die vorab gemeldeten Impfstoffdosen verbindlich bei ihren Apotheken vor, diese wiederum geben die Bestellung an ihre Großhändler und diese dann an den Hersteller weiter. Zu Beginn der Grippe-Impfsaison beliefern die Hersteller den Großhandel und dieser verteilt die vorhandenen Impfstoffdosen an die Apotheken.

Mit diesem Prozedere sollten die Ärztinnen und Ärzte also mindestens das an Impfdosen geliefert bekommen, was sie auch im Vorjahr verimpft haben.

Wann ist mit Nachschub zu rechnen?

Leider scheint dies, regional unterschiedlich, an mancher Stelle nicht zu funktionieren. Aus verschiedenen Arztpraxen haben wir die Meldung bekommen, dass sie bis jetzt trotz rechtzeitiger Vorbestellung keine bzw. nur einen Bruchteil der vorbestellten Impfdosen erhalten haben.

Eine pauschale Aussage, woran dies liegen könnte, bzw. ob und wann sie die restlichen vorbestellten Impfdosen erhalten, können wir leider nicht treffen. Den Ärztinnen und Ärzten kann hier kein Vorwurf gemacht werden.

Die diesjährige erfreulich hohe Nachfrage nach einer Grippeschutzimpfung hat sich im Dezember letzten Jahres leider noch nicht abgezeichnet. Obwohl dennoch deutlich mehr Impfdosen produziert wurden, als in den Vorjahren, kommt es hier und da zu zusätzlichen Lieferschwierigkeiten, so dass Ärztinnen und Ärzte aus fachlicher, medizinischer, wie auch aus ethischer Sicht bevorzugt Patientinnen und Patienten impfen werden, welche ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf einer Grippeinfektion haben.

 

Wir hoffen, dass wir Sie mit diesen Informationen etwas aufklären und Ihnen unnötige Sorgen nehmen konnten. Deutschland verfügt über ausreichend Impfstoff. Die Verteilung dauert aufgrund der hohen Menge und großen Nachfrage in diesem Jahr pro Praxis nur etwas länger. Bis dahin müssen Ärztinnen und Ärzte aufgrund von Risiko und Erkrankung entscheiden, welche Patientinnen und Patienten zuerst geimpft werden können.

Bleiben Sie gesund!

Herzlichst, Ihre KV Thüringen